Hurra, Romeo und Julia! – Die Szene mit der Leiche, die habe ich gelöscht
i can be your translator
Romeo und Julias Geschichte in Kürze erzählt: unsterblich verliebt, heimlich verheiratet, tragisch verstorben. Davor und danach: Mord und Totschlag. In dieser Inszenierung dient Shakespeares Dramentext lediglich als Inspiration. Der eigentliche Star des Abends ist das Ensemble selbst, das sich dem Klassiker mit ganz eigenen Erinnerungen, Bildern und Geschichten entgegensetzt.
Das Herausragende an der Kooperation zwischen dem freien Theaterkollektiv i can be your translator und Ensemblemitgliedern des Schauspiel Dortmunds ist die Position der Regie. Regisseurin Linda Fisahn sitzt noch während der Aufführungen persönlich am Regiepult im Publikum, um jederzeit nach Gusto in das Geschehen eingreifen zu können. Eine radikal persönliche Perspektive: Szenen werden übersprungen oder gestrichen, wenn sie nicht gefallen – oder aber immer wieder zur Kussszene zurückgespult. Die Regisseurin begibt sich auf einen schmalen Grat zwischen konsequenter Machtausübung und korrigierender Selbstermächtigung.
In seiner ungenierten Radikalität des Kürzens lädt der Abend dazu ein, sich selbst zu fragen: Wie sehe ich Romeo und Julia? Welche Liebes-Erzählungen haben mich geprägt? Und welche Formen der Liebe würde ich heute noch trinken – und welche sind längst vergiftet?
Text: Jonas Leifert für das FAVORITEN Festival
Veranstaltungsort
Theater im Depot
Immermannstraße 29
44147 Dortmund
Mitwirkende
Mit: Lis Marie Diehl, Linda Fisahn, Christian Fleck, Ekkehard Freye, Julia Hülsken, Marlena Keil, Anna Reizbikh, Christoph Rodatz, Laurens Wältken, Christian Schöttelndreier // Regie: Linda Fisahn, icbyt // Konzept: Linda Fisahn, icbyt, Viktoria Göke // Künstlerische Begleitung der Regie: Christoph Rodatz // Bühne, Video und Lichtdesign: Birk-André Hildebrandt // Kostüme: Slynrya Kongyoo // Musik: Christian Fleck, icbyt // Dramaturgie: Viktoria Göke // Theatervermittlung: Sarah Jasinszczak // Beratung Live-Kamera: Tobias Hoeft // Licht: Stefan Gimbel // Ton: Robin Lockhart // Regieassistenz: Jasmin Johann // Bühnenbildassistenz: Constanze Kriester // Produktionsassistenz: Frauke Becker // Produktionsleitung icbyt: Esther Schneider // Inspizienz: Christoph Öhl // Soufflage: Klara Brandi // Sozialassistenz: Christina Querfurt, Fenna Kehlenbach
Über die Künstler*innen
i can be your translator existiert seit 2012 und ist eine von wenigen freien als inklusiv gelabelten Gruppen mit kollektivem Anspruch. Als Elektropop-Band gestartet, bezeichnen wir uns heute als Performance-Kollektiv mit großer Leidenschaft und Expertise für experimentelle Musik. Auf Basis einer inklusiven Grundhaltung erforschen wir Formen der Zusammenarbeit und deren künstlerische Umsetzung.
Hinweise
Förderung
Hurra, Romeo und Julia! – Die Szene mit der Leiche, die habe ich gelöscht von i can be your translator wird gefördert im pik – Programm für inklusive Kunstpraxis der Kulturstiftung des Bundes und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.