Work at Werk Union

dritte Präsentation am Sonntag, 19. August, 16 Uhr
Rheinische Str. 143 (Werkhalle)
Eintritt frei

tchǎʼ . sol . Boden

Die beiden Tänzer und Choreographen David Guy Kono und Antoine Effroy begreifen den jetzigen Zustand des Geländes als eine Zwischenzeit: Zwischen vergangener Stahlindustrie und zukünftiger Siedlung steht der Boden auf diesem Gelände frei. Was wäre, fragen sie aus einer postkolonialen Perspektive, wenn wir den biblischen Befehl „Mach dir die Erde untertan“ ablehnten? Was wäre, wenn wir den Boden frei ließen und die westliche Ausbeutung des Bodens aufgäben – ihn nicht ausbeuten, ver/kaufen oder ihm Ressourcen entnehmen – und stattdessen jenen Boden als kamerunisches Dorf dächten? Welches Land, welches Leben wäre da in Sicht? Dies wollen die Zwei im Dialog mit den Anwohner*innen herausfinden und kommen mit Neugier und eigenen Erfahrungen in der Nachbarschaft vorbei.

Im Anschluss Diskussion mit Dr. Johanna Scheffer (Professur für Theorie und Praxis der Visuellen Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel) und weiteren Gästen.
 

Über Work at Werk Union
Vier künstlerische Recherchen zum ehemaligen HSP-Gelände im Dortmunder Unionviertel

Bisher begrenzt die Grüne Wand den Blick wie auch das Wissen über das ehemalige HSP-Gelände im Dortmunder Unionviertel. Die über einige hundert Meter parallel zur Rheinischen Straße verlaufende Hallenwand diente den ansässigen Stahlunternehmen als Sicht- und Schallabgrenzung zum Viertel. Längst außer Betrieb weisen an anderer Stelle unzählige Rohre und Gleise den Weg tiefer hinein ins Unbekannte, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts allein den Arbeiter*innen und Angestellten zugänglich war und auch heute abgesperrt bleibt. Auf dem rund 45 ha großen Gelände soll in einigen Jahren ein neues Stadtviertel entstehen, jedoch gehen die Planungen des Eigentümers und Immobilien-Entwicklers Thelen trotz bürgerschaftlichen Engagements an der Bevölkerung vorbei. Das Theaterfestival FAVORITEN und die Dortmunder Initiative die Urbanisten fragen: Wie lässt sich ein neues Viertel auf Basis der alten Nutzung und Struktur denken? Woran muss erinnert werden? Was neu gedacht?

Vier Künstler*innen-Gruppen erforschen von Juni bis September 2018 welche nicht erzählten Geschichten, utopischen Realitäten und Zukünfte sich hinter dem satten Grün finden oder erfinden lassen. Ausgestattet mit dem WORK AT WERK UNION-Stipendium, das das Theaterfestival FAVORITEN gemeinsam mit der Dortmunder Initiative die Urbanisten ausgelobt haben, leben, forschen und proben sie je drei Wochen in der Werkhalle über das Gelände. Sie gehen ins Gespräch mit ehemaligen Arbeiter*innen und der aktuellen Nachbarschaft, erproben neue Blickwinkel und teilen ihre Recherchen in einer künstlerischen Präsentation am Ende jeder Residenz.

Mit ihren künstlerischen Arbeiten in direkter Nachbarschaft zum Werk Union Gelände irritieren die Künstler*innen die bekannte Geschichtsschreibung oder lassen alternative Zukünfte für das Publikum aufscheinen. In anschließenden Podiumsdiskussionen mit Gästen aus Kunst, Politik und Stadtplanung werden die Impulse der Residenz-Künstler*innen aufgegriffen und diskutiert.

Werkhalle

bisherige Präsentationen und Gespräche:
Sonntag, 8.7. um 18 Uhr und Sonntag, 29.7. um 16 Uhr
Werkhalle, Eingang über Rheinische Straße 143
Eintritt frei

Am Montag, 10. September, 19 Uhr zeigen alle Stipendiat*innen ihre Arbeitsergebnisse im Rahmen des Favoriten Festivals in der Werkhalle.

So. 8.7., 18 Uhr
Working Class Daughters

Kristina Dreit, Karolina Dreit und Anna Trzpis-McLean suchen nach den Stimmen der Arbeiter*innen aus feministischer Perspektive. Welche Erlebnisse prägen das Bild des Geländes? Wie sind Bauten und Bilder der (industriellen) Arbeit in die Erinnerungen eingeschrieben, welche Arbeitsabläufe in die Körper? Die persönlichen Geschichten werden zum Teil eines gemeinsamen Erinnerns. Wie lassen sich Solidaritäten heute und damals finden?

In einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Nuray Demir (freie Künstlerin und Kuratorin) und Uta C. Schmidt (Uni Duisburg-Essen) diskutieren wir gemeinsam mit den Residentinnen und dem Publikum über feministische Perspektiven auf Arbeiter*innenschaft.

Working Class Daughters

So. 29.7., 16 Uhr
Terra Incognita

Einen Ausblick auf die Hoffnungen hinter dem Grün wagen Negar Foroughanfar, Dorothee Haller, Christian Berens und Moritz Kotzerke. Das vierköpfige Team aus dem Heterotopia-Studiengang der Folkwang Universität Essen erklärt das Gelände der Werk Union kurzerhand zum Kap der guten Hoffnung und entwirft eine mobile Versammlungs- und Ausguckstation für zu gewinnende und verloren gegangene Hoffnungen. Sie fragen, inwiefern die in die Künstler*innen gesetzte Hoffnung in Stadtplanungsprozessen überhaupt sinnvoll oder stattdessen immer schon zum Scheitern verurteilt ist. Die Hoffnungsvorkommen des Geländes tragen die Vier in einer Lost- & Found-Station zusammen, ihr gezimmerter Ausguck dient ihnen als Ankerpunkt, Werkzeugkiste und Bühne für öffentliche Momente.

Terra Incognita

und
Transzendenter Supranaturalismus

Wenn sich im Sommer auf der Rheinischen Straße zum Grün der Baumkronen rosa Wolken gesellen, kann das nur eine transzendente Aktion der bildenden Künstlerin Vesela Stanoeva und des Musikers Christian Bröer sein, die die Bäume in ihrer mythischen Erhabenheit feiern und unsere Vorstellungskraft beflügeln. Der Ort der Aktion – der Vorplatz des ehemaligen Hoesch-Verwaltungsgebäudes – hat etwas Transzendierung durchaus nötig, strahlt er doch durch seine geometrische Bepflanzung eine formale Strenge aus, die ganz zur Machtarchitektur des Gebäudes passt. In ungewisser Zukunft erlebt der bepflanzte Platz wohl eine ständige Transformation – zum schicken Entrée oder schnöden Parkplatz der hier geplanten Luxus-Hotel-Anlage.

Transzendenter Supranaturalismus

Im Anschluss Diskussion:
What can art do in urban spaces? Hoffnungen, Projektionen, Erwartungen
Wir nehmen die künstlerischen Recherchen und Präsentationen als Impuls für ein gemeinsames Gespräch über die Hoffnungen und Erwartungen, die im Kontext von Stadtplanungsprozessen in Kunst gesetzt werden. Mit unseren Gästen Dr. Hanna Hinrichs (StadtBauKultur NRW), Michael Kranixfeld (Freier Theaterschaffender und Kulturwissenschaftler) und Stefan Gassner (Wem gehört die Kunst?) wollen wir gemeinsam mit den Künstler*innen über das Verhältnis von Kunst und Stadtplanung diskutieren.


Eine Kooperation des Theaterfestivals FAVORITEN 2018 mit der Initiative die Urbanisten e. V. und dem Union Gewerbehof. Work at Werk Union wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und im Rahmen des Programms Kreativ.Quartiere Ruhr, einem Projekt der ecce GmbH, durchgeführt. Eine weitere Förderung erhält das Projekt durch den Regionalverband Ruhr. Fotos: Jana Mila Lippitz