Das Hydramanifest

Die Autor*innen Jörg Albrecht, Gerhild Steinbuch, Sandra Gugić, Thomas Arzt und Thomas Köck betreiben den Blog Nazis & Goldmund und verstehen diesen als vielköpfiges poetologisches Monstrum, das die Entwicklungen und Aktionen der Europäischen Rechten und ihrer internationalen Allianzen kritisch beobachtet, deren Erzähl- und Interventionsstrategien untersucht und attackiert.

GIF von Hydra spricht

(Hello.) (Is it me you’re looking for.) Hydra spricht.

Hydra sagt, erstens: Die Hydra spricht mit mehr als einem Kopf, mit mehr als einer Zunge.


Hydra sagt, zweitens: Der groß angelegte Versuch, ambivalenzfrei zu werden, ist gescheitert, liebes rechtes Pack. rotfl!


Hydra sagt, drittens: The following video has language that might offend some viewers.


Hydra sagt, viertens: Es heißt, Nazis tragen heute keine Springerstiefel mehr, es heißt, sie seien auch nicht mehr antisemitisch, ja, man hört sogar, sie verstehen sich nicht als Rassisten, sondern als aufgeklärte rechte Mitte, die eigentlich ja, laut Selbstauskunft und bei genauerer Betrachtung, links der Mitte anzusiedeln sei, die eigentlich ja, laut Selbstauskunft, den Rassismus auch nicht als Problem, sondern als Weltsicht sehe, die wegen des Rechts auf freie Meinung auch auszuhalten sei, und eigentlich, laut Selbstauskunft, verstehe sie auch Hierarchien zwischen Rassen und Geschlechtern als schlicht natürlich geschaffene, und das wird man ja wohl noch sagen dürfen, dass die Natur dran schuld ist und sonst niemand.

Hydra sagt, fünftens: Letztens im Gespräch mit einer Dramaturgin, dem Autor wurde mitgeteilt, sein Konzept sei interessant, allerdings hätte man auch Menschen im Publikum, die der AfD, ja, der FPÖ nahestünden, bisweilen sich als Stammwähler bezeichnen, auch mit denen müsse man arbeiten, das Konzept des Autors sei also unter Umständen noch einmal zu überdenken, man wolle niemanden verschrecken. “Das Abo”, sagte die Dramaturgin und faltete die Hände vor ihrem Gesicht zusammen.

Hydra sagt, sechstens, Sreten Ugričić sagt: Worte sind nicht Worte.


Hydra sagt, siebtens: Wir sprechen mit vielen Köpfen, aber indem wir WIR aussprechen, wissen wir nicht mehr, was davon zu halten ist. Wie konnte dieses WIR wieder so toxisch werden? WIRR müssen sagen, was sonst NIEEEMAND sagt.

Hydra sagt, achtens: BIST DU LESBISCH? Ja. Und stolz drauf.


Hydra sagt, neuntens: Sreten Ugričić sagt, die Worte schweigen. Die Worte sehen und wissen. Die Worte glauben niemandem. Die Worte leben in Verzweiflung, ohne Trost. Jedes Wort ist wichtig. Jedes Wort wächst wie ein Kind heran und lernt. Manche Worte lernen es, manche nicht. Worte sind nicht Worte. Die Worte schweigen. Die Worte überschreiten nicht die Grenzen der Worte. Die Worte sind unmöglich. Die Worte haben keine Stütze und halten uns dennoch fest in der Falle gefangen. Die Worte sind aus der Mode gekommen. Aber wir dürfen uns nicht täuschen. Ohne Worte gäbe es keine Zeit. Ohne Worte gäbe es keine Revolution. Ohne Worte ist es leicht. Die Worte schweigen. Worte sind nicht Worte. Das sind keine Worte.

+++ Hydra räuspert sich und unterbricht: Will Australien tatsächlich ein Gesetz beschließen, dass jeder Person, die je als Flüchtling Australien betreten wollte und nicht konnte, verbietet, JEMALS WIEDER – auch nicht als Tourist*in, auch nicht geschäftlich – australischen Boden zu betreten? +++

Hydra sagt, zehntens: Vilém Flusser sagt, wir Migranten sind die Fenster, durch die die Einheimischen die Welt sehen können.


Hydra sagt, elftens: BIST DU SCHWUL? Ja. Und ich will die Ehe.


Hydra sagt, zwölftens: Das Problem ist nicht, dass es Demagogen gibt, das Problem ist, dass es Ungebildete gibt.


Hydra streicht durch und schreibt, zwölftens: Das Problem ist nicht, dass es Ungebildete gibt, das Problem ist, dass es Demagogen gibt.


Hydra sagt, dreizehntens: BIST DU N FLÜCHTLING? Ja. Und ich bleibe. ES!


Hydra sagt, vierzehntens: Sreten Ugričić sagt, die Worte sind unmöglich.


Hydra sagt, fünfzehntens, Schlagzeilen in dieser Stunde: TV-Duell der Kandidaten! Rechter Terror! Leben auf dem Mars!


Hydra sagt, sechzehntens: An einem Haus wird der Autorin erklärt, ihr Text, eine umfangreiche Materialsammlung über den NSU, werde jetzt auf Figuren heruntergestrichen, die auch wirkliche Probleme hätten, nicht so die Materialsammlung, die habe keine Probleme, zumindest keine, die die Dramaturgin und ihr Team, eine Schauspielerin und ein Regisseur, die beide an acht (!) Projekten gleichzeitig arbeiten, durchschaut hätten, und nein, die Dramaturgin akzeptiere die umfangreiche Recherche der Autorin, aber sie hätte halt auch nicht recherchiert, wie große Teile des Publikums, und sie kenne sich also mit dem Thema nicht aus, sich mit dem NSU auseinanderzusetzen halte sie dennoch für wichtig, deshalb sei ja die Hälfte des Textes noch vorhanden – die werde jetzt als Familienaufstellung behauptet, Chöre hin oder her.

+++ Hydra unterbricht: Reclaim your TextMonster! +++

Hydra sagt, siebzehntens: Materialfluten bitte, oder: Warum kann ich nicht meine Recherche sein, damit dann etwas aufbricht, oder durch die zumindest etwas einbricht, nein, wird der Autorin erklärt, zumindest die Autorin müsse ja selbst eine Figur, eine Figur hinter dem Text, damit sich der Betrieb, wenn schon nicht am Text, dann an was festhalten kann, das dann jeder und vielleicht auch jede, aber nicht jede*r versteht.

Hydra sagt, achtzehntens: Was hat die Aushöhlung des Materials mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen wir nicht darüber?


Hydra sagt, neunzehntens: Was hat die Aushöhlung des Bildungssystems mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen wir nicht darüber? Was hat die Aushöhlung der Subkulturen (der politisch links geprägten Subkulturen, nicht Wehrsportgruppen etc.) mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen nicht mal die Subkulturen darüber? Was hat die Aushöhlung des Intellekts und des Intellektuellen mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen wir nicht endlich von DER Intellektuellen, nicht: DEM?

+++ Hydra sinnt noch nach: Und warum sprechen nicht mal die Subkulturen darüber? +++

Hydra sagt, zwanzigstens: Letztens in einer Kneipe mit einem Kollegen, der meinte, es mache keinen Sinn, rechte Gesinnungen automatisch ins Nazieck zu stellen, die seien doch längst nicht mehr antisemitisch, das sei ja wohl ein wichtiger Punkt: Die NAZIS sind doch alles keine NAZIS.

Hydra sagt, einundzwanzigstens: Die Verlage ächzen unter dem Markt, es heißt, die gesamte deutsche Verlagslandschaft zusammen hat den gleichen Jahresumsatz wie Aldi Süd. Da ist natürlich verständlich, dass man auf Bestseller, auf Hypes, auf Figuren setzt, mit denen man sich schnell identifizieren kann.

Hydra sagt, zweiundzwanzigstens: Die Identitären wollen einfache Identifikationsangebote liefern, laut Selbstaussage.


Hydra sagt, dreiundzwanzigstens: If it walks like a duck, and it swims like a duck, and it quacks like a duck, I call that bird a duck.


Hydra sagt, vierundzwanzigstens: Vor kurzem, im Krimi eines renommierten Verlagshauses, in dem zwei muskulöse Männer eine sex- und shoppingsüchtige Frau aus den Händen eines bösen Drogenkartells retten müssen: Die weibliche Figur “will den Prügel tief in sich spüren, nur dann spürt sie sich selbst wieder.” Eine renommierte Kritikerin war von dem gut recherchierten Einblick in die Abgründe des südamerikanischen Drogenwahnsinns “sehr angetan”.

Hydra sagt, fünfundzwanzigstens: Auf dem Nachhauseweg über den Anarchokapitalismus und meine Kindheit nachgedacht. Und ganz schnell abgeschweift – ich habe plötzlich festgestellt, dass jetzt der Herbst einfach so übers Land hereingebrochen ist, wie er das sonst ja normalerweise nicht tut, der Herbst ist dieses Jahr wie ein Schock über mich hereingebrochen, denke ich im Laufen, die Blätter liegen geradezu schockiert am Boden, die Bäume starren stocksteif gefroren die Straße hinab, die Krähen fliegen stocksteif über einen vor Schreck erstarrten Himmel.

Hydra sagt, sechsundzwanzigstens: Insert hasspostings here.


Hydra sagt, siebenundzwanzigstens: They were talking about: a Hydracultural society.


Hydra sagt, achtundzwanzigstens: TROJA – In dem Maße, in dem sich der Literaturbetrieb der Literaturbetriebswirtschaft verschrieb, seine Tore dem Markte öffnete, nahm er die Vereinfachung des Denkens in Kauf. GEKAUFT! Nein. VERKAUFT! Hauptsache, der Kaufmann in mir hat seine Ruhe, der Kaufmann in mir gehört zu den oberen Zehntausend, den oberen Fünfhundert sogar, und die würde es nicht mal stören, wenn das Militär die Regierung übernähme. Der Kaufmann in mir als Pferd und in ihm versteckt das andere, die Verhohlung, Aushöhlung, Assholung.

Hydra sagt, neunundzwanzigstens: Was auch immer jetzt passiert, das ist nicht der Blitz, das ist der Donner, geblitzt hat es schon längst, wir erwarten jetzt nur mehr noch den Donner.

Hydra sagt, elftens: BIST DU SCHWUL? Ja. Und ich will die Ehe.


Hydra sagt, einunddreißigstens: Slavs and Tatars marschieren vorbei und singen: You say Autonomie / I say Autonomia / You say Integrierung / and I say Integrazione / Autonomie, Autonomia / Integrierung, Integrazione! / Let’s call the whole thing off! / So if you like Einwanderer / And I like Immigrante / I’ll be Pro-Einwanderer / and be Anti-Immigrante / For we know we need each other / so we better call the calling off, off!

Hydra sagt, zweiunddreißigstens: They were talking about: the role of literature in the right-wing movement.


Hydra sagt, dreiunddreißigstens: Insert hasspostings here.


Hydra sagt, vierunddreißigstens: Die Literatur, weniger die Texte selber als ihre Vermarktung durch die Verlage, durch die Vermarktung aber dann doch wiederum auch die Texte selber – jene, die entstehen, und jene, die entstanden, nur um durch das scharfe Auge des Lektors aka Marketeer verändert zu werden, eingedampft, ausgehöhlt, abgeflacht, abgespeckt –, diese Literatur also, die sich mit Blutleere brüstete und mit Herzlosigkeit herausputzte, um super verkauft zu werden, diese Literatur hat mit dem Rechtsruck erstmal nichts zu tun. Ah, Augenblickchen, mit welchem Rechtsruck nicht? Der Neoliberalismus als Rechtsruck. UND: Der Rechtspopulismus als Rechtsruck. Aber Kindchen, das Wort: Rechtsruck durftest du doch nicht sagen, nicht hier, bei RUCKZUCK!

+++ Hydra schaut sich schnell alle RUCKZUCK-Sendungen mit Werner Schulze-Erdel an, dann redet sie weiter +++

Hydra sagt, fünfunddreißigstens: Der Produzent sagt, der Sender möchte etwas Identitätsstiftendes, eine Art große Geschichte, generationenübergreifend, das Theater würde das auch gutheißen, etwas, in dem unsere Familien sich wieder drin entdecken. Es sei ja, so die Aussage der Sendeleiterin, alles so zerrissen heutzutage, sie, die Sendeleiterin sehne sich nach der einfachen Welt, die will sie dem Publikum zeigen, zumindest an einem Abend.

Vorschlag einer Form: Jeder kann dann einfach – wo auch immer – Punkte hinzufügen, Beobachtungen einfügen, so, dass das ein offenes Manifest wird, Collage, Thesen, die man wo anschlagen kann. We will talk it over. Or: Someone, please take over.*
 

Hydra sagt, erstens: Die Hydra spricht mit mehr als einem Kopf, mit mehr als einer Zunge.

Hydra sagt, zweitens: Der groß angelegte Versuch, ambivalenzfrei zu werden, ist gescheitert, liebes rechtes Pack. rotfl!

Hydra sagt, drittens: The following video has language that might offend some viewers.

Hydra sagt, viertens: Es heißt, Nazis tragen heute keine Springerstiefel mehr, es heißt, sie seien auch nicht mehr antisemitisch, ja, man hört sogar, sie verstehen sich nicht als Rassisten, sondern als aufgeklärte rechte Mitte, die eigentlich ja, laut Selbstauskunft und bei genauerer Betrachtung, links der Mitte anzusiedeln sei, die eigentlich ja, laut Selbstauskunft, den Rassismus auch nicht als Problem, sondern als Weltsicht sehe, die wegen des Rechts auf freie Meinung auch auszuhalten sei, und eigentlich, laut Selbstauskunft, verstehe sie auch Hierarchien zwischen Rassen und Geschlechtern als schlicht natürlich geschaffene, und das wird man ja wohl noch sagen dürfen, dass die Natur dran schuld ist und sonst niemand.

Hydra sagt, fünftens: Letztens im Gespräch mit einer Dramaturgin, dem Autor wurde mitgeteilt, sein Konzept sei interessant, allerdings hätte man auch Menschen im Publikum, die der AfD, ja, der FPÖ nahestünden, bisweilen sich als Stammwähler bezeichnen, auch mit denen müsse man arbeiten, das Konzept des Autors sei also unter Umständen noch einmal zu überdenken, man wolle niemanden verschrecken. “Das Abo”, sagte die Dramaturgin und faltete die Hände vor ihrem Gesicht zusammen.

(Hydra denkt insgeheim: FALTE DEINE HÄNDE DOCH WENIGSTENS IM SCHOSS!)

Hydra sagt, sechstens, Sreten Ugričić sagt: Worte sind nicht Worte.

Hydra sagt, siebtens: Wir sprechen mit vielen Köpfen, aber indem wir WIR aussprechen, wissen wir nicht mehr, was davon zu halten ist. Wie konnte dieses WIR wieder so toxisch werden? WIRR müssen sagen, was sonst NIEEEMAND sagt.

Hydra sagt, achtens: BIST DU LESBISCH? Ja. Und stolz drauf.

Hydra sagt, neuntens: Sreten Ugričić sagt, die Worte schweigen. Die Worte sehen und wissen. Die Worte glauben niemandem. Die Worte leben in Verzweiflung, ohne Trost. Jedes Wort ist wichtig. Jedes Wort wächst wie ein Kind heran und lernt. Manche Worte lernen es, manche nicht. Worte sind nicht Worte. Die Worte schweigen. Die Worte überschreiten nicht die Grenzen der Worte. Die Worte sind unmöglich. Die Worte haben keine Stütze und halten uns dennoch fest in der Falle gefangen. Die Worte sind aus der Mode gekommen. Aber wir dürfen uns nicht täuschen. Ohne Worte gäbe es keine Zeit. Ohne Worte gäbe es keine Revolution. Ohne Worte ist es leicht. Die Worte schweigen. Worte sind nicht Worte. Das sind keine Worte.

(Hydra räuspert sich und unterbricht: Will Australien tatsächlich ein Gesetz beschließen, dass jeder Person, die je als Flüchtling Australien betreten wollte und nicht konnte, verbietet, JEMALS WIEDER – auch nicht als Tourist*in, auch nicht geschäftlich – australischen Boden zu betreten?)

Hydra sagt, zehntens: Vilém Flusser sagt, wir Migranten sind die Fenster, durch die die Einheimischen die Welt sehen können.

Hydra sagt, elftens: BIST DU SCHWUL? Ja. Und ich will die Ehe.

Hydra sagt, zwölftens: Das Problem ist nicht, dass es Demagogen gibt, das Problem ist, dass es Ungebildete gibt.

Hydra streicht durch und schreibt, zwölftens: Das Problem ist nicht, dass es Ungebildete gibt, das Problem ist, dass es Demagogen gibt.

Hydra sagt, dreizehntens: BIST DU N FLÜCHTLING? Ja. Und ich bleibe. ES!

Hydra sagt, vierzehntens: Sreten Ugričić sagt, die Worte sind unmöglich.

Hydra sagt, fünfzehntens, Schlagzeilen in dieser Stunde: TV-Duell der Kandidaten! Rechter Terror! Leben auf dem Mars!

Hydra sagt, sechzehntens: An einem Haus wird der Autorin erklärt, ihr Text, eine umfangreiche Materialsammlung über den NSU, werde jetzt auf Figuren heruntergestrichen, die auch wirkliche Probleme hätten, nicht so die Materialsammlung, die habe keine Probleme, zumindest keine, die die Dramaturgin und ihr Team, eine Schauspielerin und ein Regisseur, die beide an acht (!) Projekten gleichzeitig arbeiten, durchschaut hätten, und nein, die Dramaturgin akzeptiere die umfangreiche Recherche der Autorin, aber sie hätte halt auch nicht recherchiert, wie große Teile des Publikums, und sie kenne sich also mit dem Thema nicht aus, sich mit dem NSU auseinanderzusetzen halte sie dennoch für wichtig, deshalb sei ja die Hälfte des Textes noch vorhanden – die werde jetzt als Familienaufstellung behauptet, Chöre hin oder her.

(Hydra unterbricht: Reclaim your TextMonster!)

Hydra sagt, siebzehntens: Materialfluten bitte, oder: Warum kann ich nicht meine Recherche sein, damit dann etwas aufbricht, oder durch die zumindest etwas einbricht, nein, wird der Autorin erklärt, zumindest die Autorin müsse ja selbst eine Figur, eine Figur hinter dem Text, damit sich der Betrieb, wenn schon nicht am Text, dann an was festhalten kann, das dann jeder und vielleicht auch jede, aber nicht jede*r versteht.

Hydra sagt, achtzehntens: Was hat die Aushöhlung des Materials mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen wir nicht darüber?

Hydra sagt, neunzehntens: Was hat die Aushöhlung des Bildungssystems mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen wir nicht darüber? Was hat die Aushöhlung der Subkulturen (der politisch links geprägten Subkulturen, nicht Wehrsportgruppen etc.) mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen nicht mal die Subkulturen darüber? Was hat die Aushöhlung des Intellekts und des Intellektuellen mit dem Aufbrechen des rechten Rands zu tun, und warum sprechen wir nicht endlich von DER Intellektuellen, nicht: DEM?

(Hydra sinnt noch nach: Und warum sprechen nicht mal die Subkulturen darüber?)

Hydra sagt, zwanzigstens: Letztens in einer Kneipe mit einem Kollegen, der meinte, es mache keinen Sinn, rechte Gesinnungen automatisch ins Nazieck zu stellen, die seien doch längst nicht mehr antisemitisch, das sei ja wohl ein wichtiger Punkt: Die NAZIS sind doch alles keine NAZIS.

Hydra sagt, einundzwanzigstens: Die Verlage ächzen unter dem Markt, es heißt, die gesamte deutsche Verlagslandschaft zusammen hat den gleichen Jahresumsatz wie Aldi Süd. Da ist natürlich verständlich, dass man auf Bestseller, auf Hypes, auf Figuren setzt, mit denen man sich schnell identifizieren kann.

Hydra sagt, zweiundzwanzigstens: Die Identitären wollen einfache Identifikationsangebote liefern, laut Selbstaussage.

Hydra sagt, dreiundzwanzigstens: If it walks like a duck, and it swims like a duck, and it quacks like a duck, I call that bird a duck.

Hydra sagt, vierundzwanzigstens: Vor kurzem, im Krimi eines renommierten Verlagshauses, in dem zwei muskulöse Männer eine sex- und shoppingsüchtige Frau aus den Händen eines bösen Drogenkartells retten müssen: Die weibliche Figur “will den Prügel tief in sich spüren, nur dann spürt sie sich selbst wieder.” Eine renommierte Kritikerin war von dem gut recherchierten Einblick in die Abgründe des südamerikanischen Drogenwahnsinns “sehr angetan”.

Hydra sagt, fünfundzwanzigstens: Auf dem Nachhauseweg über den Anarchokapitalismus und meine Kindheit nachgedacht. Und ganz schnell abgeschweift – ich habe plötzlich festgestellt, dass jetzt der Herbst einfach so übers Land hereingebrochen ist, wie er das sonst ja normalerweise nicht tut, der Herbst ist dieses Jahr wie ein Schock über mich hereingebrochen, denke ich im Laufen, die Blätter liegen geradezu schockiert am Boden, die Bäume starren stocksteif gefroren die Straße hinab, die Krähen fliegen stocksteif über einen vor Schreck erstarrten Himmel.

Hydra sagt, sechsundzwanzigstens: Insert hasspostings here.

Hydra sagt, siebenundzwanzigstens: They were talking about: a Hydracultural society.

Hydra sagt, achtundzwanzigstens: TROJA – In dem Maße, in dem sich der Literaturbetrieb der Literaturbetriebswirtschaft verschrieb, seine Tore dem Markte öffnete, nahm er die Vereinfachung des Denkens in Kauf. GEKAUFT! Nein. VERKAUFT! Hauptsache, der Kaufmann in mir hat seine Ruhe, der Kaufmann in mir gehört zu den oberen Zehntausend, den oberen Fünfhundert sogar, und die würde es nicht mal stören, wenn das Militär die Regierung übernähme. Der Kaufmann in mir als Pferd und in ihm versteckt das andere, die Verhohlung, Aushöhlung, Assholung.

Hydra sagt, neunundzwanzigstens: Was auch immer jetzt passiert, das ist nicht der Blitz, das ist der Donner, geblitzt hat es schon längst, wir erwarten jetzt nur mehr noch den Donner.

Hydra sagt, dreißigstens: BIST DU BEHINDERT? Ja. Und ich lebe trotzdem.

Hydra sagt, einunddreißigstens: Slavs and Tatars marschieren vorbei und singen: You say Autonomie / I say Autonomia / You say Integrierung / and I say Integrazione / Autonomie, Autonomia / Integrierung, Integrazione! / Let’s call the whole thing off! / So if you like Einwanderer / And I like Immigrante / I’ll be Pro-Einwanderer / and be Anti-Immigrante / For we know we need each other / so we better call the calling off, off!

Hydra sagt, zweiunddreißigstens: They were talking about: the role of literature in the right-wing movement.

Hydra sagt, dreiunddreißigstens: Insert hasspostings here.

Hydra sagt, vierunddreißigstens: Die Literatur, weniger die Texte selber als ihre Vermarktung durch die Verlage, durch die Vermarktung aber dann doch wiederum auch die Texte selber – jene, die entstehen, und jene, die entstanden, nur um durch das scharfe Auge des Lektors aka Marketeer verändert zu werden, eingedampft, ausgehöhlt, abgeflacht, abgespeckt –, diese Literatur also, die sich mit Blutleere brüstete und mit Herzlosigkeit herausputzte, um super verkauft zu werden, diese Literatur hat mit dem Rechtsruck erstmal nichts zu tun. Ah, Augenblickchen, mit welchem Rechtsruck nicht? Der Neoliberalismus als Rechtsruck. UND: Der Rechtspopulismus als Rechtsruck. Aber Kindchen, das Wort: Rechtsruck durftest du doch nicht sagen, nicht hier, bei RUCKZUCK!

(Hydra schaut sich schnell alle RUCKZUCK-Sendungen mit Werner Schulze-Erdel an, dann redet sie weiter.)

Hydra sagt, fünfunddreißigstens: Der Produzent sagt, der Sender möchte etwas Identitätsstiftendes, eine Art große Geschichte, generationenübergreifend, das Theater würde das auch gutheißen, etwas, in dem unsere Familien sich wieder drin entdecken. Es sei ja, so die Aussage der Sendeleiterin, alles so zerrissen heutzutage, sie, die Sendeleiterin sehne sich nach der einfachen Welt, die will sie dem Publikum zeigen, zumindest an einem Abend.

Hydra sagt, sechunddreißigstens, Alain Badiou sagt: “Ich bin rechts” ist niemals die Aussage der Rechten, die verneint, dass diese Aussage einen Sinn hätte. Es ist allein die Aussage der extremen Rechten, insofern gehört sie auch nicht richtig dazu. Aber, leider, gehört sie in die Zeit.

Hydra sagt, siebenunddreißigstens: Im Fernsehen nichts Neues, zwischen Danone und Bürgerkriegen, wo verläuft da eigentlich die Grenze zwischen Rihanna, Trump und Nestlé?

Hydra sagt, achtunddreißigstens: Das Interesse der avantgardistischen Literatur an der gesprochenen Sprache. Aber wenn die bürgerlichen, akademischen Neonazis die gesprochene Sprache sprechen und sprechen und sprechen und sprechen, was soll das dann noch? Dachte ich und dachte nach, und nach und nach ging mir auf, wie wenig mir die gesprochene Sprache seit jeher am Herzen lag. Wieso sollte die Sprache nicht selbst sprechen? Huh? Also: sprechende Sprache!

Hydra sagt, neununddreißigstens: Im Fernsehen nichts Neues, ich habe jetzt, nach dieser heteronormativen Werbepause endlich das Gefühl, wenn wir heiraten, möchte ich Vanillepudding von deinem Löffel im Paradiesgarten lutschen.

Hydra sagt, vierzigstens: Insert troll postings here.

Hydra sagt, einundvierzigstens: Das Problem sei doch, habe er lautstark deklariert, dass man heute die Nazis nicht mehr von den bloßen Demagogen trennen könne. Trump ist kein Nazi, hat er geschrien, der ist scheiße, Strache ist ein Nazi, aber der will das Dritte Reich auch nicht zurück. Und einen Krieg schon gar nicht. Kannst du dir vorstellen, hat er lautstark geschrien, wie peinlich das wäre, wenn Österreich plötzlich Frankreich angreifen würde. Mit welchen Waffen? Oder gar Polen? Oder Russland. Hat Österreich überhaupt eine Luftwaffe? Trump ist gefährlich, aber kein Nazi. Strache ist ein Nazi, aber nicht gefährlich. Dieser kleine, feine Unterschied ist gefährlich, verstehst du?


Auf dem Blog erscheint wöchentlich ein neuer Beitrag.

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